Fokus SQS
Mit Vollgas Richtung Qualität
Überhöhte Geschwindigkeit ist die häufigste Ursache von Autounfällen. Die niederländische Regierung geht dieses Problem seit etwa 20 Jahren mit einer breit angelegten Sicherheitsinitiative an. Neue Digitalkameras, von SQS geprüft, helfen dabei.
Fahrer, die ihr Auto bis ans Limit fahren wollten, wurden in den Niederlanden jüngst häufig von moderner Technologie überholt. In den letzten fünf Jahren hat das staatliche Verkehrsüberwachungsteam sein landesweites Netzwerk für die Tempo- und Rotlichtkontrolle mit neuesten Digitalkameras ausgestattet – als Teil der Initiative für nachhaltige Sicherheit, die in den 90er-Jahren gestartet und 2005 erneuert wurde. Die Zahl der Verkehrstoten ging dadurch
um 30 Prozent zurück.
Die Behörden hoffen, dass die Digitaltechnik die Straßensicherheit weiter erhöht, vor allem da, wo viele Raser unterwegs sind. Die neuen Kameras bieten eine längere Laufzeit, höhere Zuverlässigkeit und geringere Kosten. Im vergangenen Jahr suchte die Verkehrsüberwachung ein Unternehmen, das nicht nur die einwandfreie Herstellung der Kameras überprüfen, sondern auch deren korrekte Installation und Anbindung an das Computernetzwerk der Behörde bescheinigen konnte. Nach einer europaweiten Ausschreibung fiel die Wahl auf SQS.
„Bei Analogkameras muss ein Polizist hinausfahren, die belichtete Filmrolle herausnehmen und einen neuen Film einlegen. Wenn ein Film voll ist, kann eine Kamera außerdem ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen”, erklärt Willebrord Freijsen, Leiter Verkehrsüberwachung bei der niederländischen Staatsanwaltschaft. Die Vorteile der Digitalkameras liegen auf der Hand. Sie kommen ohne Filmmaterial aus und übertragen die Aufnahmen auch kabellos an zentrale
Server, welche die Bilder sofort weiterverarbeiten können. Computer lesen die Daten der Nummernschilder automatisch aus und erstellen einen Strafzettel, wodurch Autofahrer ihr Knöllchen schneller erhalten. Dies verstärkt den warnenden Charakter sowie das Bewusstsein der Fahrer für ihr gefährliches Verhalten.
Qualitätskameras
Die neue Kamerageneration verwendet außerdem eine spezielle unsichtbare Lichtquelle. Dort, wo die Fahrer früher das Blitzlicht aus dem „Starenkasten” am Straßenrand bemerkten, ist jetzt kein Licht mehr zu sehen. So können sie gar nicht mehr erkennen, ob die Geräte überhaupt funktionieren. Jedoch sorgt die neueste Digitaltechnologie dafür, dass dies höchstwahrscheinlich der Fall ist.
Da SQS weltweiter Spezialist für Softwarequalität ist und auch ein finanziell überzeugendes Angebot abgab, hatte das Unternehmen am Ende der europaweiten Ausschreibung die Nase vorn und erhielt den Auftrag, die Lieferung und Installation von 84 Kameras zu überprüfen. SQS plant auch, sich für den Nachfolgeauftrag mit weiteren 500 Geräten zu bewerben. Von den insgesamt etwa 1.200 Kameras in den Niederlanden sind bislang nur rund 20 Prozent digital aufgerüstet.
Da sie vor Gericht im Zweifelsfall eine wichtige Beweisrolle spielen, müssen Überwachungskameras hohe Standards erfüllen. Die Hersteller müssen ihre Genauigkeit zertifizieren und externe Auditoren müssen ihre korrekte Positionierung gewährleisten. Schon kleine Ungenauigkeiten können dazu führen, dass Gerichte viele Strafmandate abweisen und damit auch weniger Gelder zur Verfügung stehen, die für die Aufstellung der Kameras gebraucht werden.
Die Kameras können sowohl als Geschwindigkeits- wie auch als Rotlichtkamera fungieren und mehrere Straßen gleichzeitig überwachen. Sie benötigen keine in der Straße installierten Sensoren mehr und die Geräte können selbsttätig den Unterschied zwischen Motorrädern, Personen- und Lastkraftwagen erkennen. Da der Kamerahersteller für manche Standorte eine der beiden Funktionen deaktivieren muss, überprüft SQS in solchen Fällen auch die Korrektheit dieser Änderung.
Der letzte Auftrag des Ministeriums umfasste zum einen die Auslieferung der Kameras und zum anderen das Testen und die Zertifizierung. SQS wurde mit dem Testen beauftragt. „Wir freuen uns sehr, dass die beiden beteiligten Unternehmen gut zusammenarbeiteten”, sagt Wilbert van den Bliek, Geschäftsführer von SQS Nederland. Das Projekt war für SQS ein besonderes, weil das Testen der Konnektivität und der Software nur einen kleinen Teil des Auftrags ausmachte. Bei den meisten Aufträgen stellen Dokumentenreviews nur eine kleinere Komponente dar. In diesem Fall jedoch überprüfte SQS bei den Akzeptanztests auch die Produktionsdokumente der Kameras. Außerdem wurden Vor-Ort-Tests durchgeführt, die sicherstellten, dass die Kameras ordnungsgemäß installiert wurden und fehlerfrei funktionieren. Schließlich testete SQS, ob die Kameras gut in das regierungseigene Netzwerk integriert sind. Da der Umgang mit Regierungsbehörden und rechtlichen Angelegenheiten mitunter heikel sein kann, führte SQS diese Integrationstests auf einem isolierten Server durch, der wiederum mit dem Regierungsnetzwerk verbunden war.
Volles Tempo bis zur Fertigstellung
SQS bot dem Ministerium all diese Leistungen als Festpreis an, um bei unerwartet höheren Arbeitsaufwänden Überraschungen von vornherein auszuschließen. Daneben zeigten sich die Regierungsvertreter von der hohen Professionalität und dem strukturierten Vorgehen von SQS beeindruckt – allesamt Aspekte, von denen sich SQS bei Nachfolgeausschreibungen einen Vorteil erhofft.
Während des Projekts übernehmen fünf SQS Mitarbeiter das Testen der Kameras und ihrer Installation. Das Unternehmen stimmt sich dabei eng mit dem Hersteller Jenoptik ab, damit bei jeder neuen Kameralieferung genug Testpersonal vor Ort verfügbar ist. Schnell und flexibel auf Liefertermine zu reagieren stellt nicht nur sicher, dass das Projekt budgetgerecht abgeschlossen wird, sondern hat auch zu Lob seitens des Ministeriums geführt. „Die Akzeptanztests durch SQS verliefen immer schnell und flexibel. So konnten wir das Projekt kontinuierlich am Laufen halten”, erzählt Staatsanwalt Freijsen.
Die niederländischen Staatsanwälte dürfen nur dann Kameras einsetzen, wenn sie die Fahrer nicht anderweitig zum Einhalten der Tempolimits beziehungsweise zu einem besseren Verhalten an Ampeln bewegen konnten. Zudem gibt es strenge Richtlinien, die das Ersetzen von analogen durch digitale Kameras regeln. So gilt etwa, dass neu installierte Digitalkameras auch rund um die Uhr funktionieren müssen. Das Testen durch SQS macht es den Regierungsbehörden leichter, entsprechende Anforderungen zu erfüllen. Und so kann das Programm für nachhaltige Sicherheit die Fahrer lehren, dass ihnen die Technologie im Zweifelsfall immer einen Schritt voraus ist.



